Harnröhrenverengung: Therapie, Symptome (2022)

Kurzübersicht

  • Behandlung: Aufdehnung oder Operation (Harnröhrenschlitzung, Rekonstruktion, seltener Stent)
  • Symptome: Veränderter, abgeschwächter Harnstrahl, häufiger Harndrang, Harnverhalt, Harnstau, Unterbrechung beim Harnlassen, Inkontinenz, ggf. Blut im Urin
  • Ursachen: Meist unklar, Verletzungen im Rahmen von Operationen, Unfällen, Entzündungen der Harnröhre; selten angeboren oder durch eine entzündliche Hauterkrankung sowie durch mechanische Einwirkungen
  • Untersuchungen und Diagnose: Körperliche Untersuchung, Urinuntersuchung, Messung des Harnflusses, Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchung, Harnröhrenspiegelung, urodynamische Untersuchungen (Bestimmung der Druckverhältnisse in Blase und Darm)
  • Prognose: Mit Behandlung relativ gut; hohe Rückfallrate
Zum Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Harnröhrenverengung?

Die Harnröhrenverengung (Harnröhrenstriktur) ist ein häufiges Krankheitsbild in der urologischen Praxis. Es handelt sich um einen Umbau der Harnröhre mit Narbenbildung, wodurch sich die Harnröhre verengt. Davon betroffen sind vor allem Männer: Rund ein Prozent von ihnen leidet an einer Harnröhrenverengung. Frauen leiden aufgrund der kürzeren Harnröhre wesentlich seltener daran. Eine Harnröhrenverengung schränkt mitunter die Lebensqualität erheblich ein und bedarf daher einer frühzeitigen Behandlung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Wie kann eine Harnröhrenverengung behandelt werden?

Die Behandlung der Harnröhrenverengung ist von vielen Faktoren, vor allem der Länge und Lage der Harnröhrenverengung, abhängig. Auch die Menge des Restharns, eine eventuelle Nierenbeteiligung und bestehende Harnwegsinfekte spielen eine Rolle.

In der Regel besteht die Therapie der Harnröhrenverengung aus einer invasiven und teilweise nicht einfachen Operation, die Ärzte meist in einer spezialisierten Klinik durchführen. Es stehen verschiedene operative Techniken zur Verfügung. Keine davon ist für alle Formen der Harnröhrenverengung uneingeschränkt geeignet. Bis heute ist sich die Fachwelt über Vor- und Nachteile sowie Langzeitergebnisse der verschiedenen Techniken uneinig. Es empfiehlt sich daher, vor Therapiebeginn eine Zweitmeinung einzuholen.

Aufdehnung (Bougierung)

Bougierung bedeutet Dehnung und ist die älteste aller Therapieformen einer Harnröhrenstriktur. Bei diesem Behandlungsverfahren führt der Arzt einen speziellen Katheter in die Harnröhre ein, der die Harnröhre aufdehnt (zum Beispiel ein Ballonkatheter). Es ist sogar möglich, dass der Erkrankte die Bougierung nach ausführlicher Erklärung selbst durchführt. Für diese Behandlung ist ein Krankenhausaufenthalt meist nicht notwendig, sie lässt sich entsprechend ambulant vornehmen.

Nachteile dieses Verfahrens sind zum einen, dass der Effekt der Dehnung nur für eine bestimmte Zeit anhält. Sobald die Verengung erneut auftritt, ist es notwendig, die Dehnung zu wiederholen. Vier bis sechs Wochen nach der Bougierung sind bereits erste Rückfälle zu erwarten. Meist verkürzen sich zudem die Abstände zwischen den nötigen Anwendungen mit der Zeit.

Zum anderen besteht die Gefahr, dass das häufige Einführen des Katheters zu kleinen Verletzungen führt, welche die Harnröhrenverengung unter Umständen verschlimmern.

(Video) Harnröhrenstriktur mit MukoCell: Prof. Dr. med. Dirk Fahlenkamp

Die Bougierung ist bei Patienten mit akutem Harnverhalt oder starker Restharnbildung nicht anwendbar. Sie eignet sich für Personen, die eine Operation ablehnen oder bei denen das Narkoserisiko für eine Operation zu hoch ist.

Harnröhrenschlitzung

Die Harnröhrenschlitzung (Urethrotomia interna) kommt meist nur infrage, wenn die Harnröhrenverengung kurz (unter einem Zentimeter) und die Vernarbung des Schwellkörpers (Spongiofibrose) nur gering ausgeprägt ist. In diesem Fall ist es möglich, die Verengung zu spalten.

Dazu erhält der Betroffene zunächst eine Vollnarkose oder nur eine Rückenmarksanästhesie. Dann führt der Arzt ein Endoskop in die Harnröhre ein, um die narbige Verengung mit einem Laser oder einem Messer ("Kaltes Messer") kontrolliert zu spalten. Nach der Operation verbleibt meist ein Katheter für mehrere Tage zur Schienung in der Harnröhre.

Durch den Schnitt in die Narbe entsteht eine neue Wunde, die wiederum zu einer Narbenbildung führt. Diese Narben sind oft größer als die ursprünglich behandelte Narbe und verschlimmern die Situation. Die Schlitzung einer Harnröhrenverengung ist deshalb nur in 50 Prozent der Fälle erfolgreich. Es ist möglich, sie zu wiederholen, was aber das Rückfallrisiko weiter erhöht. Arzt und Patient wägen daher gemeinsam die Behandlung mit einer Schlitzung sorgfältig ab.

Rekonstruktion als alternative Behandlung

Bei einer immer wiederkehrenden Harnröhrenverengung führt der Arzt alternativ zur Urethrotomie eine offene Harnröhrenoperation durch – eine sogenannte Harnröhrenrekonstruktion. Dabei schneidet er die Engstelle der Harnröhre heraus; die beiden Enden der Harnröhre vernäht er nach Möglichkeit direkt (End-zu-End-Anastomose). Möglich ist dies aber nur bei einer kurzstreckigen Harnröhrenverengung. Die Erfolgsquote ist dabei hoch.

Bei einer langstreckigen Harnröhrenverengung (Engstelle mehr als etwa vier Zentimeter lang) gilt eine Operation mit Harnröhrenersatz (Harnröhrenplastik) als weitere Behandlungsalternative. Dieses Verfahren kommt auch bei Harnröhrenabrissen zum Einsatz. Für die Rekonstruktion des fehlenden Teilstücks nutzen Ärzte Teile der Vorhaut oder Mundschleimhaut sowie andere (Schleim-)Hautbereiche des Patienten.

Die Wahl des Harnröhrenersatzes hängt dabei von vielen Faktoren ab. So eignet sich zum Beispiel die Mundschleimhaut Studien zufolge in vielen Fällen recht gut für die Rekonstruktion der Harnröhre. Allerdings treten nach Entnahme der Mundschleimhaut bei einigen Betroffenen Komplikationen wie Schmerzen und Gefühlsstörungen im Mundraum auf.

Eine Harnröhrenrekonstruktion ist ein sehr schwieriger Eingriff, den in der Regel nur ein erfahrener Chirurg durchführt. Die Operation selbst dauert mitunter bis zu vier Stunden, wobei mit einem fünftägigen Krankenhausaufenthalt zu rechnen ist. Bei einer komplizierten Harnröhrenverengung sind oft mehrere Sitzungen für die Operation nötig. Zwischen den Sitzungen liegen meist mehrere Monate Abstand.

Nach der Operation verbleibt ein Katheter für bis zu drei Wochen als Schiene in der Harnröhre.

Insgesamt sind Komplikationen bei einer Harnröhrenrekonstruktion selten. Vor allem bei jungen Männern führt aber eine durch die Operation verkürzte Harnröhre manchmal zu Erektionsproblemen. Die Folge ist, dass sich der Penis nach unten krümmt. Bei der Operation ist zudem darauf zu achten, dass die Schwellkörper weder direkt noch indirekt durch eine Unterbindung der Blutzufuhr oder Nervenschäden in ihrer Funktion gestört werden.

Stent

Mithilfe eines Endoskops lässt sich ein Stent an die Stelle der Harnröhrenverengung einbringen. Ein Stent ist ein kleines Rohr aus einem Metall- oder Kunststoffgeflecht, das die Harnröhre offenhält. Es gibt dauerhafte Stents, die im Körper verbleiben, und temporäre Stents, die der Arzt nach einigen Monaten wechselt.

Wie die Bougierung ist die Stenteinlage von vielen möglichen Komplikationen begleitet. Der Stent führt beispielsweise bei manchen Betroffenen zu wiederkehrenden Entzündungen. Außerdem provoziert er mitunter eine neue Narbenbildung. Die Langzeitergebnisse eines Stents bei Harnröhrenverengung sind insgesamt nicht gut. Dieses Therapieverfahren kommt daher nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Zum Inhaltsverzeichnis

Welche Symptome treten bei einer Harnröhrenverengung auf?

Eines der Hauptsymptome einer Harnröhrenverengung ist ein veränderter Harnstrahl. Meist ist der Strahl abgeschwächt. Oft ist er auch in seiner Richtung und seiner Form (Drehung, Fächerung) verändert. Das Urinieren ist bei Betroffenen meist erschwert, weshalb sie verstärkt pressen, um Wasser zu lassen. Bei normalem Harnfluss ist dies nicht erforderlich.

Darüber hinaus kommt es bei einer Harnröhrenverengung vor, dass das Urinieren beim Toilettengang erst verzögert beginnt, da die Engstelle erst überwunden werden muss. Nach dem Wasserlassen verbleibt bei einer Harnröhrenstriktur oft Urin in der Harnblase. Es besteht ein ständiger Druck auf der Blase oder zumindest das Gefühl, dass sie noch immer gefüllt ist. Diese Restharnbildung und der reduzierte Harnstrahl erhöhen das Risiko für Harnwegsinfekte.

Betroffene sind zudem durch plötzliche Unterbrechungen beim Wasserlassen, "Nachträufeln" und unkontrollierten Harnverlust (Inkontinenz) beunruhigt. Ein weiteres Symptom bei Harnröhrenverengung ist der häufige Harndrang, wobei meist nur kleine Harnmengen ausgeschieden werden (Pollakisurie). Auch Blut im Urin (Hämaturie) und Harnsteine kommen oft bei einer Harnröhrenstriktur vor.

Während Harnsteine (oder auch Nieren- beziehungsweise Harnleitersteine) für den Betroffenen selbst nicht auffällig sind, lässt sich Blut im Urin an einer Rosa- bis Orangefärbung des Urins erkennen.

Komplikation Harnstau

In schweren Fällen einer Harnröhrenverengung kommt es zum Beispiel zu einem sogenannten Harnverhalt, also einer kompletten Blockade der Harnröhre. Wenn dieser Harnverhalt andauert, stellen sich starke Schmerzen ein, und der Urin staut sich bis in die Niere zurück.

Ein unbehandelter Nierenstau führt zu Nierenversagen – einer lebensbedrohlichen Situation.

Bei Männern mit Harnröhrenverengung ist mitunter ein Teil des Schwellkörpers des Penis (Corpus spongiosum) von der Narbenbildung betroffen. Im schlimmsten Fall vernarben ganze Teile des Schwellkörpers. In diesem Fall spricht man von einer Spongiofibrose. Die Folge ist eine gestörte erektile Funktion des Penis.

Zum Inhaltsverzeichnis
(Video) MukoCell: Behandlungstherapie bei Harnröhrenstriktur

Was führt zu einer Harnröhrenverengung?

In rund 30 Prozent der Fälle lässt sich keine Erklärung für die Harnröhrenverengung finden. Die Erkrankung ist idiopathisch. Besonders bei den Patienten unter 45 Jahren bleibt die Ursache der Harnröhrenverengung oft unklar oder aber die Striktur ist die Folge eines Traumas wie ein Beckenbruch.

Bei Patienten über 45 Jahren sind es oft ärztliche Eingriffe, die zu Verletzungen und nachfolgender Harnröhrenverengung geführt haben. Mediziner bezeichnen eine solche Harnröhrenverengung als iatrogen– zum Beispiel nach einer Hypospadie-Operation. Als Hypospadie bezeichnen Mediziner eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre: Diese ist verkürzt und findet zu früh ihren Ausgang – bei Männern etwa an der Unterseite des Penis, bei Frauen im vorderen Scheidengewölbe.

Bei Frauen beruht eine Harnröhrenverengung meist auf einer Verkrampfung (Spasmus) des Beckenbodens.

(Video) Erfahrungsbericht eines Patienten zur Mundschleimhautplastik bei einer Harnröhrenstriktur

Die Harnröhrenverengung tritt beim Mann häufig in der vorderen Harnröhre auf, also im Abschnitt zwischen Beckenboden und Penis. Die hintere Harnröhre, die sich zwischen Harnblase und Beckenboden befindet, ist selten von einer Verengung betroffen. Wenn hier eine Harnröhrenverengung auftritt, ist die Ursache meist ein traumatischer Harnröhrenriss oder eine Strahlentherapie bei Krebs.

Ursachen im Detail

Die insgesamt häufigste Ursache für eine Harnröhrenverengung sind Verletzungen. Dies sind nicht zwingend große Schäden. Bereits mikroskopisch kleine Verletzungen reichen für eine narbige Verengung aus, wie sie zum Beispiel beim Legen eines Blasenkatheters oder bei einer Blasenspiegelung entstehen. Die Mehrzahl dieser Eingriffe bleibt jedoch ohne negative Folgen.

Dennoch ist bei solchen invasiven diagnostischen und therapeutischen Verfahren, welche die Harnröhre betreffen, Vorsicht geboten. Bei einer häufigen Prostataoperation, der transurethralen Prostataresektion (TUR-P), leiden bis zu fünf Prozent der Operierten später unter einer Harnröhrenverengung. Bei Frauen führen vor allem Inkontinenzoperationen zu einer Harnröhrenstriktur. Außerdem kommt es manchmal während einer Geburt zu Verletzungen der Harnröhre mit nachfolgender Harnröhrenverengung.

In zirka 20 Prozent der Fälle ist eine (bakterielle) Entzündung der Harnröhre (Urethritis) Ursache der Harnröhrenverengung. Eine wichtige Infektion in diesem Zusammenhang ist die Gonorrhoe (Tripper), eine sexuell übertragbare Erkrankung, für die Bakterien vom Typ Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) die Auslöser sind.

Unfälle führen mitunter auch zu einer Harnröhrenverengung. Das gilt zum Beispiel für Beckenbrüche und stumpfe Verletzungen im Schritt ("straddle trauma"), wie sie beispielsweise bei einem Fahrradsturz entstehen. Die Harnröhre wird dabei entweder direkt oder aufgrund des Beckenbruchs verletzt und reißt im Extremfall sogar ab.

Eine Harnröhrenverengung ist eher selten angeboren. So kommen manche Menschen etwa mit sogenannten Harnröhrenklappen (segelartige Membranen, welche die Harnröhre verengen), einer Verengung der Harnröhrenöffnung (Meatusstenose) oder Fehlmündungen der Harnröhre (Hypospadie) zur Welt, die unter Umständen eine Harnröhrenverengung zur Folge haben.

Fünf Prozent der Harnröhrenverengungen werden durch Lichen sclerosus verursacht. Dies ist eine entzündliche Hauterkrankung, die zu bindegewebigen Verhärtungen vor allem an der Eichel des Penis und der Vorhaut führt.

Darüber hinaus gibt es mechanische Ursachen für eine Harnröhrenverengung wie Krebsgeschwüre, Polypen, Aussackungen (Divertikel), Druck von außen oder ein Absinken der Beckenorgane (Deszensus).

Zum Inhaltsverzeichnis

Wie wird eine Harnröhrenverengung festgestellt?

Der Spezialist für Erkrankungen der Harnwege ist der Urologe. Besteht der Verdacht auf eine Harnröhrenverengung, erhebt der Arzt zuerst die Krankengeschichte (Anamnese), um die Ursache abzuklären und stellt dabei zum Beispiel folgende Fragen:

  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie?
  • Haben Sie Veränderungen beim Urinieren bemerkt?
  • Sind bei Ihnen Erkrankungen der Harnwege bekannt?
  • Wurden bei Ihnen jemals invasive Untersuchungen oder Behandlungen der Harnwege durchgeführt?

Anschließend führt er eine Urinuntersuchung durch, um einen Harnwegsinfekt auszuschließen. Dies ist wichtig, da es sonst sowohl bei diagnostischen als auch therapeutischen Maßnahmen zu einer Einschwemmung von Keimen in den Blutkreislauf kommt. Der Mediziner nennt dies eine Urosepsis ("Blutvergiftung").

Durch die körperliche Untersuchung identifiziert er im Idealfall bereits äußerlich sichtbare Veränderungen, sammelt erste Hinweise auf eine Harnröhrenstriktur und führt eine erste Prüfung der Niere durch.

(Video) Harnstrahl zu schwach? - Das hilft gegen eine vergrößerte Prostata | Urologie am Ring

Der Urologe misst mit dem sogenannten Uroflowmeter den Harnfluss. Der Erkrankte uriniert dazu mit voller Harnblase in eine spezielle Toilette, die den Urinfluss erfasst. Bei einer Harnröhrenverengung dauert das Wasserlassen länger und der Harnstrahl ist deutlich abgeschwächt.

Nach dieser Untersuchung lässt sich mittels Ultraschall (Sonografie) feststellen, ob noch Urin in der Harnblase verblieben ist. Die Harnröhrenverengung selbst ist durch dieses Verfahren meist nicht darstellbar, jedoch ist eine Beurteilung der Harnblase möglich. Die Muskelschicht in der Wand der Harnblase ist mitunter bei einer Harnröhrenverengung verdickt, in dem Versuch, den erhöhten Widerstand durch die Verengung zu kompensieren.

Auch der Zustand der Nieren lässt sich mittels Ultraschalls einschätzen. Besonderes Augenmerk legt der Arzt auf einen möglichen Harnrückfluss in die Niere.

Wenn diese Untersuchungen eine Harnröhrenverengung bestätigen, bestimmt der Arzt im nächsten Schritt deren Art, Länge und Lokalisation genauer. Dazu führt er beispielsweise eine sogenannte retrograde Urethrografie durch: Dabei spritzt der Arzt ein Kontrastmittel am Ausgang der Harnröhre rückwärts in die Harnwege. Dann fertigt er ein Röntgenbild an. Es ermöglicht Rückschlüsse auf die Art der Harnröhrenverengung.

Alternativ ist eine ähnliche Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel möglich – die anterograde Urethrografie. Das Kontrastmittel wird dabei jedoch entweder durch einen Harnröhrenkatheter in die Harnblase oder durch eine direkte Punktion der Harnblase durch die Bauchdecke gespritzt. Ebenso lässt sich das Kontrastmittel in die Vene spritzen; bis es die Harnblase erreicht, braucht es jedoch einige Zeit. Mittels Röntgenuntersuchung analysiert der Arzt anschließend das Wasserlassen (Miktionszystourethrografie).

Eine Harnröhrenspiegelung (Urethroskopie) führen Ärzte vor allem dann durch, wenn die Urethrografie keine Aufschlüsse über die Harnröhrenverengung gegeben hat. Der Nachteil dieser Untersuchung ist jedoch, dass sie keine Aussage über die Länge der Harnröhrenverengung erlaubt, wenn die Engstelle mit dem Zystoskop nicht überwindbar ist.

Sogenannte urodynamische Untersuchungen führen Ärzte in speziellen Fällen durch: Mithilfe von Messkathetern in Enddarm und Harnblase analysieren sie die Druckverhältnisse.

Im Rahmen der Diagnostik der Harnröhrenverengung schließen Ärzte gut- und bösartige Tumoren (etwa der Prostata) als Ursache für die Beschwerden aus. Es ist auch möglich, dass Fremdkörper (wie Harnsteine) in die Harnröhre gelangt sind und eine Harnröhrenstriktur verursachen. In unklaren Situationen klären sie weitere Ursachen wie Megalourether, Blasenhalssklerose oder Detrusor-Blasenhals-Dyssynergie ab.

Wichtig für die Therapieplanung ist auch, ob und inwieweit die Schwellkörper von der narbigen Veränderung betroffen sind.

Zum Inhaltsverzeichnis

Wie ist die Prognose bei Harnröhrenverengung?

Eine Harnröhrenstriktur schreitet meist langsam voran, wobei sich das Narbengewebe verlängert und die Beschwerden allmählich verschlimmern. Auch mit Behandlung ist die Prognose nur durchschnittlich gut. Es kommt häufig innerhalb der ersten zwei Jahre nach Ersttherapie zu einem Rückfall, was eine erneute Behandlung notwendig macht.

Die Behandlungsergebnisse einer Harnröhrenverengung sind umso besser, je näher die Verengung an der Harnblase liegt, je kürzer sie ist und je seltener die Striktur behandelt worden ist. Die Therapie bei einem Rückfall ist in der Regel schwieriger als die Ersttherapie.

(Video) Risiken und Komplikationen der Mundschleimhautentnahme bei der Harnröhrenrekonstruktion

Eine unbehandelte Harnröhrenverengung führt jedoch häufig durch den Harnstau zu einem Nierenfunktionsverlust und Einschränkungen in der Lebensqualität. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass eine Verengung frühzeitig erkannt und behandelt wird.

FAQs

Harnröhrenverengung: Therapie, Symptome? ›

Anzeichen einer Harnröhrenverengung können zum Beispiel sein:
  • abgeschwächter Harnstrahl.
  • verformter, geteilter, gießkannenartig oder gedreht aussehender Harnstrahl.
  • mehrzeitiges Wasserlassen.
  • Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen.
  • Schmerzen beim Wasserlassen, am Penis oder am Damm.

Welche Medikamente bei Harnröhrenverengung? ›

→ Harnröhrenstriktur: MukoCell® ist das weltweit erste Arzneimittel für neuartige Therapien im Bereich der Urologie. → Eine Harnröhrenstriktur beschreibt die Verengung der Harnröhre, hauptsächlich hervorgerufen durch Verletzungen und Infektionen.

Wie erkennt man eine Harnröhrenverengung? ›

Die Harnröhrenverengung (Harnröhrenstriktur) beruht meist auf einer narbigen Veränderung der Harnröhre. Betroffen sind vor allem Männer. Die Harnröhrenverengung macht sich in der Regel durch einen veränderten Harnstrahl oder gehäufte Harnwegsinfekte bemerkbar.

Warum verengt sich die Harnröhre? ›

Harnröhrenstrikturen (Harnröhrenverengung) sind narbige Verengungen der Harnröhre durch vorausgelaufene Entzündungen oder stattgehabter Traumata und verursachen eine subvesikale Obstruktion, d.h. unzureichende und/oder erschwertes Wasserlassen oder komplette Unmöglichkeit des Wasserlassens.

Kann man die Harnröhre erweitern? ›

Zur Erweiterung einer verengten Harnröhre wird der Arzt immer dann raten, wenn die zu enge Öffnung Beschwerden beim Wasserlassen macht. Unbedingt erforderlich ist die Operation, wenn sich der Urin vor der verengten Öffnung zurück in die Blase staut.

Kann man mit einer Harnröhrenverengung leben? ›

Die Urethrotomie hat eine Heilungsrate von 20-70 %. Langstreckige Harnröhrenstrikturen im Bereich des Penis haben mit der Urethrotomie eine schlechte Prognose, hier kommt es bei 80 % der Patienten zu einer erneuten Verengung. Bei offenen Operationen betragen die Heilungsraten 75 bis 95 %.

Wie lange hält eine Harnröhrenschlitzung? ›

Kurzinfo Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie) bei Harnröhrenenge
IndikationErstmaliges Auftreten einer Harnröhrenenge
Prinzipendoskopisches Schlitzen der Enge
OP-Zeitca. 15 Minuten
Aufenthalt1-2 Nächte
HinweisRückenmarksanästhesie oder Vollnarkose

Wie wird eine Harnröhrenverengung behandelt? ›

Wie wird eine Harnröhrenverengung behandelt? Frische, entzündliche und verletzungsbedingte Strikturen behandelt man innerhalb der ersten drei Monate üblicherweise ohne Operation. Dazu wird der Urin über einen Katheter direkt aus der Blase über die Bauchdecke abgeleitet (suprapubischer Blasenkatheter).

Wie gefährlich ist eine Harnleiterverengung? ›

Folgende Komplikationen dieser komplexen rekonstruktiven Operation können auftreten: Nahtinsuffizienz am Darm mit der Notwendigkeit einer Re-Operation in 1-2% Verwachsungen am Darm in 2-3% Nahtinsuffizienz an der Anastomose Dünndarm – Nierenbecken in 2-3%

Welche OP Möglichkeiten gibt es bei Harnleiterverengung? ›

Je nach Sitz und Schweregrad der Verengung verfügen wir über verschiedene Behandlungsmethoden: Psoas-bladder-hitch-Plastik: Diese Technik wird eingesetzt, wenn der gesunde Teil des Harnleiters zu weit von der Harnblase entfernt ist um ihn spannungsfrei daran zu befestigen.

Warum tropft es nach dem Urinieren nach? ›

Der Grund für das unkontrollierte Nachtröpfeln ist der, dass die Blase während des Urinierens nicht vollständig entleert wird. Dadurch sammelt sich Restharn in der Harnröhre, die, weil sie von der Blase wegführt, nachtropft.

Wie oft Harnröhrenschlitzung? ›

Endoskopische Harnröhrenschlitzung

Da das Narbenfeld sich durch wiederholte endoskopische Schlitzungen ausdehnen kann, sollte dieses Verfahren möglichst nicht häufiger als zweimal wiederholt werden. Sinnvoller ist in der Regel eine frühzeitige Sanierung.

Ist eine Blasenspiegelung sehr schmerzhaft? ›

Die Blasenspiegelung ist eine ambulante Untersuchung – Patienten sind dabei also bei Bewusstsein. Allerdings muss sich niemand bei einer Blasenspiegelung vor Schmerzen fürchten: Der Arzt betäubt die Harnröhre lokal mithilfe eines speziellen Gels, wodurch sich die Zystoskopie höchstens etwas unangenehm anfühlt.

Was trinken bei Harnröhrenverengung? ›

Besonders empfehlenswert sind Kräutertees oder verdünnte Obstsäfte (1:3 oder 1:4 verdünnt).

Wie lange dauert eine Harnleiter OP? ›

Die Dauer variiert stark nach Eingriffsart und liegt zwischen 10 Minuten und einer 1/2 Stunde.

Wie Länge krank nach Harnleiter OP? ›

Der gesamte stationäre Aufenthalt dauert ca. 7 Tage. Die einliegende Harnleiterschiene, die der Schonung der Nahtstelle dient, muss im Verlauf noch mittels einer kurzen Blasenspiegelung in lokaler Betäubung entfernt werden.

Was trinken bei Harnröhrenverengung? ›

Besonders empfehlenswert sind Kräutertees oder verdünnte Obstsäfte (1:3 oder 1:4 verdünnt).

Welche Medikamente bei Harnverhalt? ›

Alfuzosin ist als erster und einziger α-Blocker zur begleitenden Therapie des akuten Harnverhalts bei Männern mit benigner Vergrößerung der Prostata zugelassen. Der Arzneistoff verdoppelte bei diesen Patienten nach Katheterentfernung nahezu die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Blasenentleerung.

Was kann man tun bei Harnverhalt? ›

Bei einem akuten Harnverhalt wird Ihr Arzt als allererstes versuchen, Ihnen die Schmerzen zu nehmen, indem er Ihre Blase entleert. Dies kann durch Einführen eines Blasenkatheters durch die Harnröhre, in Einzelfällen auch durch die Bauchdecke geschehen.

Was ist der Auslöser für Harnverhalt? ›

Die häufigste Ursache für einen akuten Harnverhalt ist ein Hindernis in oder um die Harnröhre. Am häufigsten tritt dies bei älteren Männern mit einer vergrößerten Prostata auf, wenn die Prostata die Harnröhre von außen einengt. Auch ein Tumor kann von außen auf die Harnröhre drücken.

Ist eine Harnröhrenverengung schlimm? ›

Komplikationen bei einer Harnröhrenverengung

Die Folge können häufige Harnwegsinfekte sein, aber auch ein Rückstau von Urin bis in die Niere, der bei längerem Bestehen dauerhafte Nierenschäden, im schlimmsten Fall sogar ein Nierenversagen hervorrufen kann.

Welches Getränk ist am meisten harntreibend? ›

Kaffee ist der größte Harntreiber

Kaffee gilt als das größte harntreibende Mittel und sogar als Beschleuniger von Inkontinenz. Das Koffein erhöht die Geschwindigkeit der Harnproduktion in der Niere. Die Wirkung lässt sich bei Frauen wie bei Männern feststellen.

Ist Joghurt harntreibend? ›

Dadurch wird sich schnell herauskristallisieren, welche Lebensmittel bei Ihnen besonders harntreibend wirken – und welche keine Auswirkungen haben. Joghurt sollte ein fester Bestandteil Ihrer Ernährung sein! Wegen der vielen Probiotika, die er enthält, fördert er die Blasengesundheit.

Wie kann ich besser urinieren? ›

Es gibt verschiedene Strategien, die im Alltag dabei helfen können:
  1. Weniger trinken, wenn man längere Zeit nicht zur Toilette gehen kann oder möchte – zum Beispiel vor dem Schlafengehen. ...
  2. Entwässernde oder harntreibende Getränke nur in Maßen zu sich nehmen.

Wie bekomme ich meine Blase leer? ›

Damit man vollständig entleeren kann, muss man den Beckenboden entspannen und den Urin frei laufen lassen. Die Blase ist ein Muskel und sorgt selbst für die Entleerung. Deshalb ist es nicht nötig, dass man mitpresst. Im Gegenteil: Mitpressen unterbricht die Entleerung.

Wie gefährlich ist Tamsulosin? ›

Überdosierung. Bei einer Überdosis Tamsulosin (ab ungefähr fünf Milligramm) kann es zu einem akuten Blutdruckabfall kommen, der lebensbedrohlich sein kann. Informieren Sie bei plötzlichem Blutdruckabfall sofort einen Arzt!

Wie gefährlich ist ein Harnverhalt? ›

Da die Blasenentleerung nicht mehr möglich ist, verursacht die Überdehnung der Harnblase krampfartige Schmerzen. Häufig fällt eine Vorwölbung im Unterbauch auf. Ein akuter Harnverhalt gilt als medizinischer Notfall. Durch den Urinstau kann es zu Nierenschädigungen kommen.

Ist Harnverhalt schmerzhaft? ›

Der Harnverhalt kann äußerst starke Schmerzen im Bereich des Unterbauches verursachen. Wenn die Harnblase in diesem Fall derart massiv gefüllt ist, so dass der Druck die Haltefunktion des Schließmuskels übersteigt, kann es zum ungewollten Urinverlust im Sinne einer Überlaufblase kommen.

Wie macht sich ein Harnstau bemerkbar? ›

Wie merkt man Harnstau? Tritt ein Harnstau akut auf, verspürt der Patient einen starken, kolikartigen Schmerz in der Flanke, welcher in den Unterbauch oder die Genitalregion ausstrahlen kann, wie dies meistens bei Harnleitersteinen der Fall ist.

Was tun wenn man die Blase nicht entleeren kann? ›

Häufigste Ursachen für beide Formen von Blasenentleerungsstörungen sind ein Diabetes mellitus, chronischer Alkoholismus, Schädigung der Nerven des Rückenmarkes, MS, Bandscheibenvorfall, eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostataadenom) und eine Harnröhrenenge.

Videos

1. Nachtropfen – Was tun, wenns nach dem Pinkeln noch läuft | Urologie am Ring
(Urologie am Ring)
2. Überaktive Blase bei Frauen: Therapie
(Ordensklinikum Linz)
3. Diese 5 Anzeichen solltest du nicht ignorieren, wenn deine Nieren in Gefahr sind!
(Gesundheitsblatt)
4. KEM Urologie: Harnleiterrekonstruktion
(pulsschlagTV)
5. Prostatavergrößerung: Beschwerden, Symptome und Therapiemöglichkeiten
(X Mix)
6. Beim Urologen: SO läuft eine Untersuchung ab | @doktorsex | DAK-Gesundheit
(DAK-Gesundheit)

You might also like

Latest Posts

Article information

Author: Annamae Dooley

Last Updated: 10/14/2022

Views: 5978

Rating: 4.4 / 5 (65 voted)

Reviews: 80% of readers found this page helpful

Author information

Name: Annamae Dooley

Birthday: 2001-07-26

Address: 9687 Tambra Meadow, Bradleyhaven, TN 53219

Phone: +9316045904039

Job: Future Coordinator

Hobby: Archery, Couponing, Poi, Kite flying, Knitting, Rappelling, Baseball

Introduction: My name is Annamae Dooley, I am a witty, quaint, lovely, clever, rich, sparkling, powerful person who loves writing and wants to share my knowledge and understanding with you.